Portrait – BVH

Mit insgesamt ca. 5.500 Musikern in 104 Mitgliedsvereinen gehört der Blasmusikverband Hochrhein e.V. heute zu den größten Kreisverbänden in Baden-Württemberg. Der Blasmusikverband Hochrhein (kurz: BVH) gliedert sich in 8 Arbeitsbezirke und umfasst mit Ausnahme des Raumes Bonndorf den gesamten Landkreis Waldshut. Auch Vereine aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis und dem Kreis Lörrach sind dem Blasmusikverband angeschlossen.


Aufgaben des Blasmusikverbandes

Das Aufgabengebiet des Blasmusikverbands Hochrhein erstreckt sich über vielfältige Bereiche: Als Verband vertritt der BVH die Belange seiner Mitgliedsvereine gegenüber Behörden und dem übergeordneten Dachverband auf Landesebene, dem BDB. Auch für Versicherungsfragen und Belange rund um die GEMA ist der Verband der erste Ansprechpartner für die Vereine.

Die Ehrungen des BDB für langjährige aktive Tätigkeit in einem Verein führt der Blasmusikverband Hochrhein alljährlich im Rahmen einer Ehrungsfeier durch.

In regelmäßigen Jahresabständen veranstaltet der BVH mit einer Fachjury Wertungs- und Kritikspiele. Vielfältige Weiterbildungen und Workshops, darunter Instrumentalkurse, Dirigierkurse und auch überfachliche Kurse runden das Angebot vor Ort ab und bilden so ein durchgängiges Bildungsangebot von den Bezirkskursen, über die Verbands-Workshops bis zum Angebot der BDB-Musikakademie.

Der Landes-Dachverband des BVH, der Bund Deutscher Blasmusikverbände e.V. (BDB), umfasst neben Teilen Baden-Württembergs (überwiegend Baden) auch Verbände aus Bayern, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Zusammen mit dem benachbarten Blasmusikverband Baden-Württemberg e.V., der hauptsächlich den württembergischen Teil umfasst, ist der BDB der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände e.V. (BDMV) unterstellt. Der BDB hat seinen Sitz in der verbandseigenen Musikakademie in Staufen.


Ein kompakter Blick auf die Geschichte und prägende Persönlichkeiten

Die Aufgaben und Ziele des Verbandes, aber auch die Sorgen und Nöte der Vereine und ihrer Mitglieder sind über die 100-jährige Geschichte immer ähnliche geblieben. Geändert hat sich letztlich nur der gesellschaftliche Kontext, der die Verantwortlichen immer wieder vor neue Herausforderungen stellt: Welche Rezepte machen die Vereine in welcher Zeit erfolgreich. In den 100 Jahren war alles dabei: Wirtschaftlich schwierige Zeiten oder Zeiten des Aufbruchs, die sich jeweils deutlich auf die Handlungsfähigkeit der Vereine ausgewirkt haben.

Ebenso können sich Krisen und politische Umbrüche auf die Arbeit der Vereine und deren Verantwortungsträger existenziell auswirken und bis in persönliche Belange hineinziehen. Wie sich so eine Machtlosigkeit von Geschehnissen anfühlt, müssen die Musiker, Vereine und Verbände aktuell im Jubiläumsjahr mit der Corona-Pandemie völlig unvorbereitet erfahren und lernen.

All den Aufgaben, die sich einem Verband stellen, haben sich immer wieder engagierte Menschen aus dem Kreis der regionalen Musikszene angenommen. Ihnen war bewusst, dass man umfassende Aufgaben und Anliegen nur in einer starken Gemeinschaft bewältigen kann. Schon im Gründungsprotokoll vom 03. Oktober 1920 der Versammlung im „Wilden Mann“ in Waldshut wurde das deutlich.

Ursprünglich sollte die Versammlung eine Werbeveranstaltung für den „Süddeutschen Musikverband“ werden und ein Bezirksverband gegründet werden. Mit dem gewählten Versammlungsleiter Walter Kirchberg (Waldshut) und einigen anderen treibenden Kräften wurde im Beisein von Vertretern von 16 Vereinen aus den Landkreisen Waldshut und Säckingen der „Bezirksmusikverband Oberrhein“ gegründet. Als Vorsitzender wurde Walter Kirchberg gewählt, Adolf Bornhauser (Waldshut) zum Stellvertreter.

In den Folgejahren kamen nach und nach Vereine dazu. Einzelne Vereine traten auch wieder aus; meist nach vereinsinternen Querelen oder Neugründungen infolge von Auflösungen. Die erste große Konstante in der Arbeit des Verbandes war Walter Kirchberg, der den Vorsitz mit der Kriegsunterbrechung bis 1950 innehatte. Erst 1967 wurde der endgültige Name „Blasmusikverband Hochrhein” gefunden und auf die heute Einteilung auf Bezirke erweitert.

Ab 1921 wurde auch der Posten des Verbandsdirigenten geschaffen: Der neue Waldshuter Kapellmeister Ernst Bartelmess wurde nach einer kurzen ersten Amtszeit von Albin König in dieses Amt eingeführt führte dieses bis 1967 aus. Er wurde von Heinz-Georg Linke (Bad Säckingen) beerbt, der bis zu seinem frühen Tod 1991 im Amt war. Nach vier Jahren mit Klaus Hoffarth (Schwörstadt) als oberster musikalische Kopf im Verband, übernahm 1995 Johannes Brenke (Bad Säckingen). Diese Amtszeiträume zeigen eine sehr große Kontinuität. Alle drei langjährigen Dirigenten (Bartelmess, Linke und Brenke) brachten und bringen auch eine hohe fachliche und genreübergreifende Qualifikation mit und kamen „von außen“ mit vielen Impulsen in die Bläserszene am Hochrhein. Alle drei waren bzw. sind auch für den BDB aktiv.

Nicht nur bei den Verbandsdirigenten, auch bei den Präsidenten gab es lange Amtszeiten, die für die Blasmusikszene am Hochrhein große Bedeutung hatten: 1953 kam mit Rudolf Siebold (Lauchringen) beispielsweise ein junger Vollblutmusiker ins Amt des Präsidenten, der mit seiner Erfahrung als namhafter Dirigent die Weiterentwicklung der Strukturen zur Verbesserung der musikalischen Grundwerte vorantrieb. Erst durch seine neue Aufgabe am Bodensee 1970 verließ er den Verband quasi auf dem Höhepunkt seiner Schaffenszeit kurz nach dem Verbandsmusikfest zum 50-jährigen Jubiläum 1970. Mit der Teilnahme von über 70 Verbandsvereinen blieb das Verbandsmusikfest 1970 bis heute einmalig in der Geschichte des BVH. Rudolf Siebold war auch als Jugendleiter des BDB und später als Bundesdirigent und verschiedensten anderen regionalen und überregionalen Funktionen hoch angesehen.

Auf Rudolf Siebold folgte Harold Bäumle, der bis 1993 die Geschicke des BVH leitete, sehr großes Engagement in die Entwicklung der Jugendarbeit steckte und sich mit großer Leidenschaft und Präsenz für die Belange der Vereine einsetzte. In seiner Amtszeit initiierte er 1986 die Gründung des „Verbandsjugendorchester Hochrhein“ (VJO).

Schon in der Ära Siebold wurde 1957 erstmals ein Verbandsjugendleiter installiert. Dieses Amt wurde vor allem durch Peter Fräßle (Laufenburg, im Amt von 1985 bis 2019) eine Institution. Seine umfangreiche Tätigkeit wurde besonders durch die JMLA-Lehrgänge in Steinabad geprägt, die Generationen von Musikern als fester Bestandteil der Ausbildung in Erinnerung bleiben.

Aber auch in vergleichsweise kurzen Amtszeiten konnten Amtsträger Akzente setzen: So hat Heinz Thomann (Bad-Säckingen-Wallbach) 1995 das 75-jährige Verbandsjubiläum mit diversen Veranstaltungen und einer sehr ausführlichen Festschrift initiiert. Auch die Verpflichtung von Julian Gibbons als Dirigent des VJO fiel in diese Zeit.

Noch vielen Musikern in bester Erinnerung ist auch die lange Amtszeit unseres jetzigen Ehrenpräsidenten Franz Bayer (Albbruck-Unteralpfen, im Amt von 1999 bis 2015). Wie in der Ära Bäumle war er der Patriarch der Blasmusik am Hochrhein, der mit großem persönlichem Einsatz sehr präsent war. Mit seinem Weitblick schuf er auch Grundlagen für einen Generationswechsel und Wandel der Strukturen in der Verbandsarbeit.

Ein Beispiel für die Verjüngung und auch für die Erhöhung des Frauenanteils in der Verbandsführung war 2013 die Wahl der damals erst 18-jährigen Patricia Schmidt (Lauchringen) zur Schriftführerin. Sie gehört mittlerweile schon zu den dienstältesten Präsidiumsmitgliedern.

Heute lebt das Präsidium um das Führungstrio mit Präsident Felix Schreiner (Lauchringen) und den Vizes Ralf Eckert (Rickenbach) und Brigitte Russ (Lottstetten) eine flache Hierarchie: Im großen Team arbeiten die einzelnen Bereiche selbstverantwortlich. So wurde speziell der Jugend- und EDV-Bereich in den vergangenen Jahren erweitert. Der Frauenanteil im 12-köpfigen Präsidium liegt ohne Quotenvorgabe bei genau 50%.

Ein markanter Meilenstein war 2018 auch die Gründung des „Sinfonischen Blasorchester Hochrhein“ (SBO) zusammen mit den beiden Musikschulen. Mitinitiator und erster Dirigent des SBO ist Christian Steinlein.

Ein großes Anliegen der aktuellen Arbeit ist auch Außendarstellung der Arbeit des Verbandes und der Vereine, um eine solidere Verknüpfung in die Politik und Wirtschaft zu erreichen. Dazu wird Networking auf verschiedensten Ebenen betrieben.

Jede Zeit hat ihre speziellen Herausforderungen. Manche sind konstant oder kehren wieder, andere ganz neu. In diesem Kontext und einer riesigen Informationsflut versucht der BVH den Vereinen Hilfestellungen, Strukturen und Grundlagenarbeit zu bieten.

Portrait – BVH Jugend

Die Jugendarbeit im BVH – 100 Jahre Blasmusikverband Hochrhein e.V.

Denkt man an Jugendarbeit im Blasmusikverband Hochrhein, so werden einem zunächst die JMLA-Lehrgänge in Steinabad und das Verbandsjugendorchester Hochrhein in den Sinn kommen. Diese zwei Institutionen prägen die 100-jährige Verbandsgeschichte mittlerweile seit vielen Jahren.

Bereits in den 60-er Jahren, damals unter der Leitung des ersten Verbandsjugendleiters Hermann Meyer, hat der Verband begonnen, jährlich einen einwöchigen Jungbläserkurs in den Sommerferien durchzuführen. Ziel der Lehrgänge ist seit jeher die Weiterentwicklung der musikalischen Fertigkeiten und Fähigkeiten im Instrumentalspiel und das Erlangen von Grundlagen in der Musiktheorie. Seit 1979 haben die Jugendlichen am Ende der Lehrgänge auch die Möglichkeit das Jungmusikerleistungsabzeichen in Bronze und Silber abzulegen. Mittlerweile haben sich auf Grund der großen Nachfrage vier Lehrgangswochen im Jahr etabliert, die seit 1976 regelmäßig im Gästehaus Steinabad stattfinden. Auch wenn sich an der Durchführung und den Inhalten im Laufe der Zeit einiges verändert hat, die Zielsetzung der Kurse ist gleich geblieben: Neben dem der musikalischen Weiterbildung und seit 1979 dem Ablegen eines Leistungsabzeichens (Bronze und Silber), steht auch die Vernetzung mit anderen Jugendlichen aus dem Verbandsgebiet, sowie die Freude an der Musik im Fokus der Kurswochen. Im Durchschnitt dürfen wir jährlich 200 Jugendliche zu unseren Lehrgängen begrüßen und sie auf einem Stück ihres musikalischen Werdegangs begleiten.

Nicht selten kommen Jugendliche während der Lehrgangswochen erstmalig in Kontakt mit unserem Verbandsjugendorchester, das sich und seine Arbeit den Silberabsolventen vorstellt. Das 1986, auf Initiative des damaligen Verbandspräsidenten Harold Bäumle, gegründete Orchester, hat zum Ziel begabte und zielstrebige junge Musiker unserer Mitgliedsvereine zu fördern. Nicht wenige ehemalige Mitglieder des Verbandsjugendorchesters haben beruflich eine musikalische Richtung eingeschlagen. Seit 1996 steht das Orchester unter der Leitung des aus England stammenden Dirigenten Julian Gibbons. Er nutzte seine weltweiten Kontakte immer wieder aufs Neue, um die alle zwei Jahre stattfindenden Tourneen des Orchesters an die unterschiedlichsten Orte zu führen. Ziele der Tourneen waren bereits England, Schweden, Portugal, Weißrussland, Wales/England, Kanada/USA, Norwegen, Irland, Malta, Island und zuletzt Griechenland und Mazedonien. Im Jubiläumsjahr plant das Orchester eine Tournee in unser Nachbarland Polen.

Die Aufgabengebiete der Verbandsjugendarbeit unterliegen einem stetigen Wandel. Während in der Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum noch zu lesen ist, dass ein Schwerpunkt auf der Ausrichtung von Jugend-Kritik- und Wertungsspielen sowie der Förderung der Teilnahme von Gruppen und Jugendkapellen an internationalen Jugendkapellentreffen lag, ist seit einigen Jahren die Kooperation mit Schulen und Musikschulen ein großer Bestandteil der Arbeit geworden. Auch die Umsetzung und Weitergabe der Vorgaben und Richtlinien des BDB, sowie die Durchführung überfachlicher Weiterbildungsangebote sind ein wichtiger Teil der aktuellen Aufgaben.

In den letzten 100 Jahren hat sich in der Jugendarbeit viel getan. Es wurden immer wieder neue Ideen aufgegriffen und umgesetzt. Die Nachwuchsgewinnung und Förderungen bilden die zentrale Aufgabe aller unserer Mitgliedsvereine und des Blasmusikverbandes. Unser Verbandsjugendleitungs-Team hat noch viele Ideen und Visionen. Die inhaltlichen Schwerpunkte der nahen Zukunft liegen dabei sowohl bei der Neugestaltung unserer JMLA-Kurse, als auch in der Zusammenarbeit und Vernetzung mit und innerhalb der Mitgliedsvereine, den Musikschulen und den allgemeinbildenden Schulen.